Lebensversicherung: Wie tot ist die Anlagemöglichkeit?

“Millionen Betriebsrenten in Gefahr” titelte eine große Boulevardzeitung

Soll ich meine Lebensversicherung verkaufen? Diese Frage stellen sich gegenwärtig viele Menschen und auch ich beobachte: Wir leben in einer Zeit, in der bewährte Geldanlagen und auch Absicherungsmöglichkeiten in Schieflage geraten. Neulich stand ich in meiner schönen Heimatstadt Hannover in einem Cafe. Als ich so auf meinen Kaffee wartete, stach mir die Schlagzeile einer gewissen Tageszeitung mit vier großen Buchstaben ins Auge.

“Millionen Betriebsrenten in Gefahr” wurde dort getitelt. Mein erster Gedanke dazu war “Das ist doch kein Wunder”. Aber warum ist das kein Wunder? Es gibt Ursachen, warum Lebensversicherungen und andere Absicherungsformen in Gefahr sind.

Ich zeige Ihnen heute drei Gründe auf, warum die Frage “Soll ich meine Lebensversicherung verkaufen?” nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Zudem will ich innovative und unabhängige Alternativen aufzeigen.

Lebensversicherung verkaufen: Weil sie nur noch wie ein behäbiges Reptil anmutet

Betrachten wir eine Anlage-Form die seit Jahrzehnten weit verbreitet ist.

In Deutschland soll es rund 85 Millionen Lebensversicherungen geben. Das heißt, statistisch gesehen kommt auf jeden Bundesbürger, vom Kleinkind bis zum Rentner, mindestens ein Vertrag. Lange galt die Kapital-Lebensversicherung als das Vorsorge-Instrument schlechthin. Doch der einstmals gute Ruf ist stark angekratzt. Inzwischen ist das Produkt eher zum Problem geworden, als dass es Lösungen bietet.

Der Grundgedanke der Lebensversicherung klingt eigentlich vernünftig. Sie verbindet systematischen Kapitalaufbau für die Altersvorsorge mit der finanziellen Absicherung von Angehörigen im Fall eines vorzeitigen Todes.

Versicherte konnten dabei lange von ansehnlichen Renditen profitieren. Neben einer Garantieverzinsung trugen bei Vertragsende gezahlte Überschüsse zum Ertrag bei. Dabei gab es durchaus auch Kritik an dem Konstrukt – vor allem an den hohen Kosten. Im Fokus standen und stehen dabei die Abschlussprovisionen.

1. Die Nullzinsen setzen Lebensversicherer unter massiven Druck

Spätestens seit die Zinsen für Geldanlagen infolge der EZB-Geldpolitik nahe am Nullpunkt liegen, ist die Lebensversicherung unter Druck geraten. Die Versicherer tun sich zunehmend schwer, mit den Geldern der Versicherten noch ausreichend Erträge zu erwirtschaften.

Da sie aufgrund regulatorischer Vorgaben in der Anlagepolitik weitgehend auf “sichere” Anlageformen beschränkt sind, bestehen kaum Ausweichmöglichkeiten in riskantere, aber ertragreichere Geschäfte.

2. Die Garantieverzinsung überhaupt zu gewährleisten bereitet Mühe

Die regulatorischen Vorgaben und die Nullzinspolitik hat dazu geführt, dass die früher üblichen Überschusszahlungen inzwischen fast zur Ausnahmeerscheinung geworden sind. Selbst die Garantieverzinsung darzustellen, bereitet Mühe.

Der Garantiezins lag in den 1990er Jahren – in Hochzinszeiten – noch bei vier Prozent. Der Zinsentwicklung entsprechend wurde er im Zeitablauf immer weiter nach unten angepasst und beträgt aktuell nur noch 0,9 Prozent.

3. Für Versicherer ist die Lebensversicherung bereits ein Verlustgeschäft

Diese niedrige Verzinsung findet aber nur auf Neu-Verträge Anwendung, während für alte Lebensversicherungen im Bestand die Zinssätze aus höheren Zeiten weiter gelten.

Da Lebensversicherungen oft über Jahrzehnte laufen, ist ein hoher Anteil des Bestandes über dem derzeitigen Zinsniveau zu verzinsen. Gegenwärtig können sich Versicherte darüber freuen. Für die Versicherer ist das de facto ein Verlustgeschäft.

Der Abschied von der klassischen Kapitallebensversicherung

Mit dem Lebensversicherungsreformgesetz hat die Bundesregierung bereits 2014 versucht, der Branche unter die Arme zu greifen. Das Gesetz hat den Unternehmen zwar eine gewisse Entlastung gebracht, das Grundproblem mangelnder Erträge jedoch nicht gelöst.

Für Neukunden bedeutet das, dass sie sich wenig Hoffnung machen können, bei ihrem Kapital mehr als die versprochene Verzinsung zu erhalten. 0,9 Prozent mögen angesichts der momentanen Zinslage noch vertretbar erscheinen. Wenn die Zinsen aber wieder steigen, erweist sich der Abschluss eine solchen Vertrags schnell als schlechte Entscheidung.

Die Lebensversicherung verkaufen: Weil eine klassische Geldanlage wegbricht

Angesichts der negativen Aussichten haben einige namhafte Versicherer das Neugeschäft mit “klassischen” Lebensversicherungen inzwischen ganz eingestellt.

Stattdessen werden Produkte ohne Garantieverzinsung mit besseren Ertragsperspektiven angeboten. Das höhere Anlagerisiko wird dabei zum Teil auf die Kunden überwälzt. Auch von den teuren Altlasten versucht man sich zu befreien. Lebensversicherungs-Bestände werden an professionelle Abwickler verkauft, um Luft für neue Geschäfte zu haben.

Warum sind Lebensversicherungen in Gefahr? Weil die Branche offensichtlich selbst nicht mehr an ihr Produkt glaubt.

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